Sonntag, 16. September 2018

Interview mit einem Autor ... diesmal Thomas Pregl


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Lehrer, Journalist und nun Autor. Das ist Thomas Pregl. Ein waschechter Bamberger!? Nicht ganz, ein Neigschmeckter, aber er lebt schon viele Jahre in der Nähe von Bamberg. (ich sehe schon, die meisten guten Autoren kommen aus Bamberg :-D). Um nun von dem Autor mehr zu erfahren, habe ich ihn einfach mal eingeladen, auf meinen braunen Sofa Platz zu nehmen. Vielen Dank, Thomas Pregl.










  • Wie kamst Du auf die Idee zu dem Krimi?
    • Ich habe lange als Journalist in der Glücksspielbranche recherchiert. Manchmal erfährt man von Machenschaften, die offensichtlich sind, aber die man nicht schreiben kann, weil es sonst Klagen hageln könnte. Somit habe ich alles, was ich von den Machenschaften, die ich erfahren habe, in einem Krimi verpackt. „Frankenhölle“ ist somit sehr authentisch und realistisch - und verdammt nahe dran an der schmutzigen Wahrheit.
  • Sind dort eventuell biografische Elemente mit darin verarbeitet?
    • Ja, es lassen sich autobiografische Elemente finden, aber nicht eins zu eins übertragen. Natürlich ist jede Art von Literatur auch vom Autor geprägt - ob er das will oder auch nicht.
  • Ist schon ein neues Buch in Bearbeitung und wenn ja, möchtest Du mir kurz verraten, worum es diesmal geht?
    • Mein neuer Krimi ist in Arbeit, auch wenn das Wort Arbeit da nicht so richtig zutrifft, da ich nur ab und an ein paar Zeilen in den PC quetsche. Thema ist, was Religion mit Menschen macht, ausgehend von den Rintfleisch-Progromen gegen fränkische Juden vor vielen hundert Jahren.
  • Wärst Du lieber der Schurke oder der Gute in Deinen Krimis, falls Du dort eine Rolle spielen könntest?
    • Ich bin ein unverbesserlicher Optimist, der zunächst immer an das Gute im Menschen glaubt - und dann erst durch Erfahrung eines Besseren belehrt wird. Winnetou und Karl May haben mich für das Gute mehr sensibilisiert als die katholische Kirche. In meinen Kinderträumen wollte ich immer Old Shatterhand oder der edle Indianer sein. Von daher wäre ich auch lieber der positive Held in meinen Krimis. Obwohl: Bösewichte straffrei literarisch zu ermorden, hat auch seinen Reiz.
  • Wie recherchierst Du für Deine Bücher?
    • Ich recherchiere sehr journalistisch. Vor Ort, mit Internet, Befragung, Quellenauswertung. Das ist mühsam, im Zeitalter von Fake News aber umso wichtiger.
  • Hast Du lange gebraucht, um einen Verlag zu finden, der Deine Bücher druckt und herausbringt?
    • Nein, ein Buchhändler hat „Frankenhölle“ dankenswerterweise einem Verlag empfohlen.
  • Du schreibst ja Krimis. Möchtest Du auch mal andere Genre probieren?
    • Ja, ich möchte gerne mal eine Urlaubssatire schreiben. Und es gibt sogar schon ein sehr antiquiertes Sachbuch von mir - „Gewinnen beim Squash“.
  • Du warst bestimmt nicht immer Autor. Welchen Beruf hast Du vor dem Schreiben ausgeführt und seit wann bist Du am Schreiben.
    • Ich bin beruflich ein Wanderer zwischen den Welten. Ich habe bestimmt schon in 20 sehr unterschiedlichen Aushilfsjobs gearbeitet. Und hauptberuflich habe ich als Lehrer begonnen, habe dann über 20 Jahre als Journalist gearbeitet, bevor ich wieder in den Lehrerberuf zurückgekehrt bin. Die jetzige Kombination - Schüler unterrichten und zu schreiben - ist ein unschätzbares Privileg für mich.
  • Hat sich Dein Leben verändert, als Du Dein erstes Buch herausgebracht hast?
    • Nein. Wenn ein Buch fertig ist, hat man ein bisschen Bauchkribbeln und gespannte Vorfreude. Das verfliegt jedoch genauso schnell wie das Warten auf die Zeitung mit deinem neuen Artikel.
  • Wie sieht momentan Dein Alltag aus? Wieviel Zeit verbringst Du mit dem Schreiben? Und wie baust Du den Alltag in das Schreiben ein?
    • Der Alltag wird natürlich durch meine beiden Berufe geprägt. Hinzu kommen Kellerbesuche, Eishockey-Touren zu den Spielen der Krefeld Pinguine, Sport schauen, Serien gucken, lesen. Ich schreibe täglich, auf Facebook, für die Fränkische Nacht, an meinem neuen Buch, für die Politik. Aber auch für die Schule.
  • Hast Du noch Projekte, die Du in Zukunft erreichen wollen oder beenden wollen.
    • Ich träume immer noch davon, dass es in Bamberg endlich mal eine kritische Zeitung gibt, für die ich schreiben darf.
  • Was hat dir dein Vater und was hat dir deine Mutter mitgegeben?
    • Boah, schwer zu sagen. Von meinem Vater habe ich vielleicht gelernt, nicht so zu sein wie er. Von meiner Mutter habe ich den Gerechtigkeitssinn und die rheinische Offenheit.
  • 3 Dinge, die zu einem perfekten Tag dazu gehören?
    • Morgens das Lachen meiner Frau, mittags ein Auswärtssieg der Krefeld Pinguine und abends ein Fünf-Gänge-Menü bei Bettina Hofmann in Schindelsee.
  • Welcher Film bringt dich zum Lachen und welcher zum Weinen?
    • Obwohl ich den Film „Schindlers Liste“ bestimmt schon zehn Mal (vor allem mit meinen Schülern) gesehen habe, bringt er mich immer noch zum Weinen. Es ist erschütternd, was Menschen Menschen antun können. Und es ist bewegend und mutmachend, wie man sich dagegen auflehnt. Über viele Filme kann ich herzhaft lachen. „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ gehört dazu. genauso wie der Klassiker aus dem Jahre 1972 von Polanski „Alles, was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“.
  • Welches Buch kannst du uneingeschränkt empfehlen und warum?
    • Im Moment „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“ von Richard David Precht. Und all´ den „besorgten Bürgern“, Hetzern auf Facebook, Rassisten und blaurotlackierten Nazis empfehle ich mal einen Blick in das Grundgesetz.
 
Bild von Emons Verlag