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Mittwoch, 1. Oktober 2025

Interview mit ...der Fahnermedien

 

Fahnermedien, ein kleiner aber feiner Verlag im schönen Frankenland, genauer gesagt Lauf. Lauf ist im Grunde eine schöne Stadt mit viel Stadtgeschichte. Und alten Gemäuern, Reste der Stadtmauer – eben Geschichte. Und auf der Frankenbuch habe ich am 27.9. diesen schönen Verlag kennen gelernt und möchte Euch den vorstellen. Wie ist es vom lokalen Zeitungsverlag zu einem modernen Medienunternehmen gekommen? Frau Durmann, erzählen Sie bitte mal mehr von diesem fränkischen Verlag.


  • Mögen Sie Ihren Verlag einmal in kurzen Worten vorstellen? Wie ist seine Entstehungsgeschichte?

Gerne! Der Fahner Verlag hat eine lange Geschichte – er wurde bereits 1907 von Hans Fahner in Lauf an der Pegnitz gegründet. Damals hat er auch die erste Ausgabe der Pegnitz-Zeitung herausgebracht – das war eine kleine, sechseitige Zeitung mit einer Auflage von rund 500 Exemplaren. Gedruckt hat er sie auf einer gebrauchten Schnellpresse in seiner eigenen Druckerei. Damit legte er den Grundstein für das, was heute ein regional verwurzelter Medienverbund ist.

Im Lauf der Jahre hat sich daraus ein moderner Medienbetrieb entwickelt, der nicht nur die Pegnitz-Zeitung herausgibt, sondern auch weitere lokale Publikationen und natürlich unseren kleinen Buchverlag.

Unser Buchverlag ist übrigens ein Herzensprojekt – er wurde ins Leben gerufen, um lokalen Autorinnen und Autoren eine Plattform zu bieten. Da ist mittlerweile eine schöne Bandbreite an Büchern erschienen: von Krimis über Ratgeber bis hin zu regionalgeschichtlichen Werken.

  • Wie viele Mitarbeiter sind für den Buchverlag zuständig?

Unser Buchverlag ist bewusst klein und persönlich aufgestellt – aktuell sind wir ein Team von vier festen Mitarbeitenden. Dazu gehören Lambert Herrmann als Verleger, Lisa Pitroff im Vertrieb sowie ein Layouter, der für die Gestaltung der Buchcover und des Innenlayouts verantwortlich ist. Ich selbst bin als Lektorin die erste Anlaufstelle für unsere Autoren und Autorinnen. 

  (Bild ist von dem Verlag)

  • Was ist das Besondere an diesem Verlag? 

Wir sind wie gesagt ein sehr kleiner Verlag. Das ermöglicht es uns, sehr nah an unseren Autorinnen und Autoren zu arbeiten. Unser Ziel ist es, heimischer Literatur eine Plattform zu geben – denn wenn sie keine Sichtbarkeit bekommt, geht sie womöglich verloren. Durch den direkten Kontakt und unser persönliches Engagement – etwa durch Interviews in der Presse oder die Vernetzung mit Buchhandlungen – setzen wir uns intensiv dafür ein, dass jedes Buch auch wirklich sein Publikum findet.

  • Werbung für den Verlag, wie gestaltet diese sich?

Ein großer Vorteil ist, dass wir unsere eigene Zeitung herausgeben – das ist natürlich eine tolle Plattform, um auf unsere Bücher aufmerksam zu machen. Neue Titel stellen wir dort regelmäßig in Artikeln oder Interviews mit den Autorinnen und Autoren vor. Zusätzlich schalten wir Anzeigen – sowohl in unseren eigenen Medien als auch zum Beispiel im Börsenblatt. Und natürlich nutzen wir auch die sozialen Medien, um unsere Bücher sichtbar zu machen und mit Leserinnen und Lesern direkt in Kontakt zu treten. Wir setzen ganz gezielt auf eine Mischung aus klassischen und digitalen Kanälen.

  • Gibt es einen Schwerpunkt bzw. eine bestimmte Genre in Bezug Bücher in Deinem Verlag? Z. B. Krimis, Kinderbücher oder Romantik?

Ja, absolut – der Schwerpunkt unseres Verlags liegt ganz klar auf der Regionalität. Unser Steckenpferd sind regionale Krimis, die nicht nur spannende Geschichten erzählen, sondern auch das Lebensgefühl und die Besonderheiten unserer Heimat widerspiegeln. Beim Lesen sollen die Leserinnen und Leser das Gefühl haben: „Da war ich doch schon mal“ oder „Das Restaurant kenne ich.“ 

Darüber hinaus sind auch unsere Wanderführer und Bildbände über die Region sehr beliebt. Uns ist wichtig, dass unsere Bücher einen starken Bezug zur Region haben – sei es durch den Inhalt, die Schauplätze oder die Menschen, die darin vorkommen. Damit schaffen wir nicht nur Unterhaltung, sondern auch Identifikation.

    (Bildbände -- ich mag Bildbände sehr gerne) 

  • Thema Buchmessen? Wie steht der Verlag zu Buchmessen?

Wir sind auf kleineren Buchmessen sehr gerne vertreten, denn das ist eine super Gelegenheit, unseren Verlag und unsere Bücher zu präsentieren. Vor allem ist es eine wichtige Plattform, um mit neuen Autorinnen und Autoren in Kontakt zu kommen und natürlich zum Netzwerken.

Bei großen Veranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse sieht die Sache allerdings etwas anders aus: Da geht man als kleiner Verlag leider schnell unter und fällt kaum auf. Deshalb schicken wir nur dann einen Titel dorthin, wenn wir gerade etwas ganz Besonderes im Programm haben, das wir am Gemeinschaftsstand zeigen möchten – auch wenn der Erfolg dort meist eher überschaubar bleibt. Für uns sind Buchmessen vor allem eine Möglichkeit, Sichtbarkeit zu schaffen und neue Verbindungen zu knüpfen.

    (jedenfalls habe ich durch die Frankenbuch den tollen Verlag kennen lernen dürfen) 

  • Wie siehst Du das Verhältnis von E-Books und gebundenen Büchern? Gibt es vielleicht bald keine gedruckten Bücher mehr? Oder ist so ein E-Books eine gute Ergänzung?

Ich denke, E-Books sind definitiv eine sinnvolle Ergänzung – vor allem für unterwegs oder für Menschen, die viel reisen oder keinen Platz für volle Bücherregale haben. Aber ich persönlich hoffe nicht, dass das gedruckte Buch jemals vollständig ersetzt wird. Es ist einfach ein ganz anderes Leseerlebnis: Ein Buch in der Hand zu halten, die Seiten umzublättern, vielleicht sogar den Geruch von Papier – das hat etwas Sinnliches und Bleibendes. Viele schätzen genau dieses sinnliche Leseerlebnis – und das ist auch der Grund, warum wir uns im Verlag ganz bewusst auf Printbücher konzentrieren. Wir stellen keine E-Books her, weil wir den Wert und die Beständigkeit des gedruckten Buches in den Mittelpunkt stellen.

    (also, genau mein Ding. Ich mag keine E-Books) 

  • Was zeichnet in Ihren Augen ein gutes Buch aus?

Was ein gutes Buch ausmacht, ist natürlich immer ein Stück weit subjektiv – jeder Leser empfindet da etwas anderes. Aber für mich persönlich ist ein gutes Buch eines, das mich auf irgendeine Weise berührt oder fesselt. Wenn ich beim Lesen die Zeit vergesse, völlig in die Geschichte eintauche – und plötzlich ist das Buch zu Ende, und ich merke erst dann, dass ich seit Stunden gelesen habe – dann war es ein wirklich gutes Buch. Es muss nicht immer laut oder spektakulär sein, aber es sollte etwas in einem auslösen, das bleibt.

  • Welche Voraussetzungen muss für Sie ein Manuskript erfüllen, damit es in die engere Auswahl für eine Veröffentlichung gelangt?

Da gibt es bei uns tatsächlich mehrere Kriterien. Zuerst einmal ist uns der regionale Bezug sehr wichtig – das ist sozusagen die Grundvoraussetzung, damit ein Manuskript überhaupt zu unserem Verlagsprofil passt. Besonders bei Krimis legen wir natürlich Wert darauf, dass sie spannend erzählt sind und den Leser mitreißen.

Auch die Sprache spielt eine große Rolle: Der Text sollte angenehm zu lesen sein und handwerklich – also orthografisch und grammatikalisch – schon gut gearbeitet. Als kleiner Verlag haben wir schlichtweg nicht die Kapazitäten, ein Manuskript mehrfach komplett zu überarbeiten.

Inhaltlich muss die Geschichte schlüssig und gut strukturiert sein, mit Figuren, die glaubwürdig sind – bei denen man mitfühlen kann.

Und zu guter Letzt schauen wir natürlich auch: Gibt es einen Markt für das Buch? Wir müssen das Gefühl haben, dass wir es erfolgreich an unsere Leserinnen und Leser bringen können. Wenn all diese Punkte zusammenpassen, dann kommt ein Manuskript bei uns in die engere Auswahl.

  • Wie sieht die Zukunft aus oder wie könnte die Zukunft aussehen? 

Natürlich hoffen wir, dass wir unseren Buchverlag auch in Zukunft weiterführen können. Gerade für kleinere Verlage sind die aktuellen Zeiten nicht ganz einfach – die Herstellungskosten steigen, und es wird immer schwieriger, Bücher wirklich wirtschaftlich zu produzieren. Aber wir glauben an das, was wir tun, und daran, dass es ein Publikum für gute, regionale Bücher gibt.

Für die Zukunft möchten wir unsere Reichweite noch weiter ausbauen – vor allem auch über soziale Medien, weil man dort einfach einen direkten Draht zu Leserinnen und Lesern bekommt. Und wer weiß, vielleicht wagen wir uns irgendwann auch mal an ein Hörbuch. Ideen und Motivation sind auf jeden Fall da – jetzt geht es darum, Schritt für Schritt die richtigen Wege zu finden.

  • Ihre Buchempfehlung für die Leser?

Da habe ich gleich zwei Empfehlungen – je nachdem, was man gerne liest.

Für alle Krimifans empfehle ich unseren neuesten Titel: „Zerfressen“ von Norbert Bengl. Der Krimi spielt in Lauf, ist spannend, hat aber auch eine gute Portion Humor – also genau das, was unsere regionalen Krimis so besonders macht.

Und wer gerne draußen unterwegs ist und sich für Geschichte und alte Legenden interessiert, dem lege ich „Unheimliche Orte in Franken“ von Alexander und Simone Pavel ans Herz. Das Buch führt an geheimnisvolle, manchmal richtig gruselige Orte in Franken – kombiniert mit volkstümlichen Sagen, spannenden Geschichten und tollen Fotografien. Ein echter Geheimtipp für Ausflüge mit Gänsehaut-Faktor!

    (Unheimliche Orte in Franken -- das kommt auf jeden Fall auf meine Wunschliste!!) 

https://www.buchtraum.de/wp-content/uploads/2025/07/Titel-Zerfressen-350x537.jpg  https://www.buchtraum.de/wp-content/uploads/2023/09/Titel-Unheimliche-Orte-480x402.jpg beiden Bilder von Fahnermedien

  • Und zu guter Letzt, gab es für Sie es ein besonderes Erlebnis im Verlag?

Oh, da gibt es tatsächlich einige schöne Momente – aber ein besonders bewegender war für mich damals die Veröffentlichung des ersten Buches, an dem ich mitarbeiten durfte. Meinen Namen zum ersten Mal im Impressum eines gedruckten Buchs zu sehen, das war schon ein richtig besonderer Augenblick für mich.

Ein anderes schönes Erlebnis ist immer wieder der Moment, wenn Autorinnen und Autoren zum ersten Mal ihr eigenes Buch in den Händen halten. Gerade bei uns, wo sich viele den Wunsch der eigenen Biografie in Kleinstauflage erfüllen, ist das oft ein sehr bewegender Augenblick. Da wird deutlich, wie viel Herzblut in einem Buch steckt – und wie wichtig es ist, diese Geschichten sichtbar zu machen. Für uns als Verlag ist das immer wieder eine große Freude und Bestätigung für unsere Arbeit.

 Vielen Dank, Frau Durmann. Ein sehr interessantes Interview. Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, "Euch" als Verlag auf der Frankenbuch in Nürnberg kennen lernen zu dürfen.  (Bild ist von dem Verlag)

 

Hier noch ein paar Infos zu den oben genannten Büchern:

Zerfressen. Professor Berger ermittelt - Norbert Bengl

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Manchmal ist es aber auch nur

Zerfressen

Professor Bert Berger konnte sich selbst in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen, dass sich nach seinem Vortrag am Laufer Gymnasium sein ganzes Leben umkrempeln würde. Und zwar so was von!

Er erwartete weder, dass er eine säurezerfressene Leiche noch die Liebe seines Lebens finden würde. Auch hatte er nicht ahnen können, dass er gekidnappt oder gar mit Waffen bedroht werden würde. Oder gar mit gebrochenen Knochen im Krankenhaus erwachen könnte.

Was einem halt so passiert, in der fränkischen Provinz! Wie Raub, Mord, Lust, Entführung und manchmal vielleicht auch etwas Romantik. So kommt es erstens anders und zweitens als man denkt und drittens kommt es manchmal vielleicht sogar ganz, ganz anders …

ISBN: 978-3-942251-88-4 14,80 €

Unheimliche Orte in Franken – Alexander und Simone Pavel

Vorsicht!
Ich bin kein harmloses Buch. Ich wurde geschrieben, um dich das Fürchten zu lehren. Vor all dem Bösen, das im Dunkeln und an verfluchten Orten darauf lauert, zuzuschnappen und dich unwiederbringlich in das Schwarz der Nacht zu zerren.
Orte, an denen einst grausame Taten verübt wurden und die als nie verheilende Wunden zwischen Zeit und Raum klaffen. Orte, deren Existenz sich die Menschen nur mit schrecklichen, der eigenen Wahrnehmung entrückten Vorkommnissen erklären können. Ich nehme dich dorthin mit, wo verdammte Seelen umgehen und wo Geister, Teufel und Dämonen ihr furchtbares Unwesen treiben.
Derartige Orte gibt es überall auf der Welt. Viele davon findest du in Franken. Ich werde sie dir zeigen und dir ihre Geschichten in völlig neuen Interpretationen erzählen. Mach es dir gemütlich, dimme das Licht und freue dich darauf, 50 der unheimlichsten Orte Frankens kennen zu lernen.

ISBN: 978-3-942251-70-9  28,00 €

 

 


 

Dienstag, 2. Januar 2018

Interview mit einer Autorin ... Heike Fröhling


Bildergebnis für heike Fröhling
Foto von Elke Weigel
           Heike Fröhling, Leonie Haubrich – jeder kennt die Autorin(nen)! Oder doch nicht? Und klingelt es bei Euch, wenn ich von der Autorin am Waldesrand spreche? Ja, oder? Ich gestehe, ich beneide Heike Fröhling um ihren Arbeitsplatz. Was gibt es schöneres als am Waldrand zu arbeiten! Aber nun gut, wir wollen ja nicht über die Arbeitsstätte reden, sondern um die Autorin. Und da ist sie eben vielseitig. Krimis wie „Je schwärzer die Nacht“ (übrigens sehr spannend!) oder ein Liebesroman „Die Zärtlichkeit des Augenblicks“ sind aus ihrer Feder entstanden. Auf meinen SuB (zu meiner Schande) liegt immer noch „Liebe auf 12 Pfoten“. Aber wer ist nun Heike Fröhling bzw. Leonie Haubrich? Die nette Waldrandbewohnerin hat mir hier und heute meine Fragen beantwortet.  Und das nicht nur auf lose Blätter :-) Ganz herzlichen Dank, liebe Heike.

·          Du schreibst ja auch unter Leonie Haubrich. Warum ein zweiter Autorenname?
·          Angefangen zu schreiben habe ich mit dem, was man bei „gehobener Unterhaltung“ einordnen würde. Liebesromane an der Grenze zwischen Unterhaltung und Literatur. Da passte mein richtiger Name wunderbar und dafür steht er auch: Für Liebesromane, die manchmal etwas Poetisches haben.
·          Bei Fröhling denkt man allerdings an eine Mischung aus Frühling und fröhlich – beides passt nicht zu Thrillern. Und da auch die Liebesromanleserinnen meistens eher keine Thriller lesen, habe ich mich entschlossen, einen zweiten Namen zu wählen. Leonie war meine Idee. Haubrich schlug meine Tochter vor. Ich habe gegoogelt, nichts zu dem Namen gefunden, da war er ganz passend. Hinterher habe ich sie mal gefragt: Wie kamst Du denn auf „Haubrich“? Und sie sagte: „Von Hau mich.“ ;-)
·          Wie kamst Du auf die Idee zum letzten Buch?
·          Ich liebe die Rheinhöhen. Sie haben eine ganz spezielle Atmosphäre. Im Sommer und Frühling ruhig, idyllisch. Gerade an Wochentagen auf dem Rheinhöhenweg ist es so ruhig, da kann es sein, dass man stundenlang niemandem begegnet. Die Burgen, die Wälder, dieses Auf und Ab zwischen all den Ausläufern der Berge drumherum, die Schluchten und Täler, das hat etwas. Das Johanneskloster gibt es nicht, es ist eine Mischung aus all den Ruinen, die es dort gibt, in denen ich Pause gemacht habe. Dort kam mir auch die Idee zu dem Roman, gemischt mit einem Zeitungsartikel über verschwundene Kinder in Deutschland.
·          Sind dort eventuell biografische Elemente mit darin verarbeitet?
·          Nichts, was den Figuren passiert, findet sich in meinem Leben. Nur die Erlebnisse nachts auf den Rheinhöhen, die hatte ich auch, aber in anderer Weise. Ohne Handyempfang ist man dort mit einer Kartenapp völlig aufgeschmissen, das hatte ich nicht bedacht. Dann wurde es dunkel. Dann im Wald zu sein, das ist schon ein Erlebnis der anderen Art. Umgeben von Wildschweinen, Rehen und anderem Kleingetier, irgendwo zwischen Hügeln, man nicht weiß, wohin man soll, das ist schon erschreckend und auch beeindruckend. Ich hatte mich schon darauf eingerichtet, die Nacht auf einem Hochsitz zu verbringen, als ein Bachlauf mich doch zum Rhein hingeführt hat.
·          Ist schon ein neues Buch in Bearbeitung und wenn ja, möchtest Du mir kurz verraten, worum es diesmal geht?
·          Gerade plane ich drei Projekte gleichzeitig, gucke, welches davon sich in den Vordergrund schiebt. Das sind zwei Liebesromane und ein Thriller, der eine Fortsetzung von „Was du nicht siehst“ wäre. Ich bin selbst noch gespannt!
·          Wärst Du lieber der Schurke oder der Gute in Deinen Krimis, falls Du dort eine Rolle spielen könntest?
·          Da ich mit einem Mord niemals leben könnte und die Schurken auch morden, würde ich mich definitiv für die Rolle der Guten entscheiden :-)
·          Wie recherchierst Du für Deine Bücher?
·          Bei den Liebesromanen, die in dem Verlag von Amazon erschienen sind, ist es komplizierter, da reise ich an die Handlungsorte, sichte Quellen, rede mit Menschen, die mir etwas zu dem historischen Hintergrund aus eigenem Erleben sagen können.
·          Bei den Thrillern greife ich auf das zurück, was mir begegnet, in Zeitungsausschnitten, in der Fantasie, als Gedankenspiele auf meinen langen Wanderungen. Da sind es meistens die Orte mit ihrer Atmosphäre, die mich zu den Handlungen führen.
·          Hast Du lange gebraucht, um einen Verlag zu finden, der Deine Bücher druckt und herausbringt?
·          Im Nachhinein ist es schon krass, wie leicht ich es in der Hinsicht hatte. Schon bevor 1998 mein erstes Werk fertig war, hatte ich dafür einen Verlagsvertrag. Es war eine Erzählung über Liebe und Mathematik, die ich in der Autorengruppe Koblenz vorgestellt hatte. Dort saß der Lektor eines Kleinverlages, der auch schrieb. Ich hatte ihm mein bisheriges Manuskript gegeben und ihm hat es sehr gut gefallen. Was für ein Glück das war, habe ich erst im Nachhinein begriffen, damals dachte ich: Das geht eben so.
·          Du warst bestimmt nicht immer Autor. Welchen Beruf hast Du vor dem Schreiben ausgeführt und seit wann bist Du am Schreiben.
·          Geschrieben habe ich schon seit Grundschulzeiten. Als Beruf wollte ich Lehrerin für Deutsch und Musik werden, habe auch das Referendariat gemacht und im Schuldienst gearbeitet, weil ich immer gehört habe: „Schreiben ist kein Beruf.“
·          Damals gab es noch kein Internet und das, was ich bei Autorenbiografien gelesen habe, klang auch nicht sonderlich vielversprechend. Da tauchten immer irgendwo Verleger aus dem Nichts auf und ich kannte keine Verleger. Die gab es in meiner Welt auch nicht, dort traf ich eher auf Ärzte, Juristen, Lehrer. Aber Verleger? Sie waren die dubiosen Geschöpfe in meiner Welt. Und da Autoren laut der Biografien auch den Hang hatten, früh zu sterben, tragisch zu enden, gescheiterte Beziehungen zu führen, erschien mir ein „vernünftiger“ Beruf auch sinnvoller.
·          Wann hast Du herausgefunden, dass Du das Schreiben hauptberuflich machen möchtest            
·          Wollen tat ich es schon, seit ich 16 war, nur der Weg war das Problem :-)
·          Von Romanen zu leben, das habe ich erst seit der Möglichkeit vom Selfpublishing geschafft, obwohl ich schon vorher mit Aufbau einen Verlag hatte, mit dem ich mich nicht verstecken musste. Doch erst die höheren Tantiemen beim E-Book und die bessere Vergleichsmöglichkeit durch das Internet mit seinen Foren und allen frei verfügbaren Informationen hat es mir erst ermöglicht, das journalistische Schreiben ganz außen vor zu lassen und mich auf Bücher zu konzentrieren.
·          Hat sich Dein Leben verändert, als Du Dein erstes Buch herausgebracht hast?
·          Nicht wirklich. Eine Buchherausgabe ist erst einmal sehr virtuell, es verändert nichts am Alltag. Man tut, was getan werden muss, schreibt dabei. Hinterher war es genauso. Ich tat, was getan werden musste, schrieb in jeder freien Minute. Es war längst nicht der Knall wie bei Joanne K. Rowling oder anderen Autoren, von denen man liest. Es kam nicht viel Geld dabei rum, es gab ein paar Lesungen, Zeitungsberichte. Die Anerkennung war mehr ein stilles Freuen.
·          Wie sieht momentan Dein Alltag aus? Wieviel Zeit verbringst Du mit dem Schreiben? Und wie baust Du den Alltag in das Schreiben ein?
·          Mein Tag ist aktuell zweigeteilt: morgens nach dem Aufstehen breche ich in meine Waldhütte auf, habe dort meine Welt, in der ich kreativ bin. Gegen Mittag / Nachmittag kehre ich dann nach Hause in mein Leben mit Mann und Kindern zurück. Kurz vor der Veröffentlichung reicht das zeitlich nicht aus, da arbeite ich im Grunde pausenlos, unterbrochen vom Essen und gekürzten Schlaf, sitze auch am Nachmittag und Abend mit dem Laptop auf dem Sofa, kümmere mich gleichzeitig um anstehende Klassenarbeiten bei den Kindern oder darum, was sonst noch ansteht. Momentan bin ich in einer solchen Intensivphase, da schreibe ich so gut wie die gesamte Wachzeit und träume sogar vom Schreiben. Abschalten geht dann nicht wirklich, einen Alltag gibt es in der Form dann auch nicht mehr, der läuft nebenher und streckenweise auch an mir vorbei. Für jeden, der eine Festanstellung hat, wäre so etwas der Horror, aber für alle meine befreundeten Autorenkolleginnen ist das auch Normalität, dass kurz vor der Buchveröffentlichung eben nur noch das Buch existiert.
·          Was hat dir dein Vater und was hat dir deine Mutter mitgegeben?
·          Von meinem Vater habe ich mir abgeschaut, dass es manchmal absolut nicht hilft zu jammern. Manchmal ist das Leben ungerecht, gemein, hinterhältig und fies, sodass man entweder draufhauen könnte oder in sich zusammenfallen. Dann einfach weitermachen, ist oft der beste Weg, sich an dem festhalten, was ansteht, das ist dann morgens zuerst auf die Kaffeemaschine zu drücken ;-) Diese Einstellung hat mich schon oft gerettet.
·          Meine Mutter kann in positiver Weise 5 gerade sein lassen. Gerade im Umgang mit kleinen Kindern hat mir das ermöglicht, überhaupt ohne Pause mein Leben lang weiterzuschreiben. Dann gehen sie eben mit zwei unterschiedlichen Socken in den Kindergarten, ziehen statt eines warmen Pullovers fünf T-Shirts übereinander. Solange sie sich selbst und anderen nicht schaden und die Basis stimmt … Wobei ich in der Hinsicht meine Mutter kaum erreichen werde, denn in mir wohnt schon eine Perfektionistin.
·          3 Dinge, die zu einem perfekten Tag dazu gehören?
·          meine Tiere (aktuell 1 Hund und 4 Katzen)
·          draußen sein
·          Schokolade
·          Wenn das gegeben ist, alle gesund sind, steht einem perfekten Tag nichts mehr im Weg ;-)
·          Welcher Film bringt dich zum Lachen und welcher zum Weinen?
·          zum Lachen: die Komödien mit Jack Nicholson, ich finde, niemand verbindet wie er so gut Tragik mit Komik, Verrücktheit und Ernst.
·          zum Weinen: Der Fuchs und das Mädchen. Anfangs etwas zu süßlich, aber im weiteren Verlauf eine wunderbare Landschaft, in positiver Weise emotional mit einer großen Wahrheit.
·          Welches Buch kannst du uneingeschränkt empfehlen und warum?
·          Zuletzt gelesen: Heldenflucht von Jan Kilman. Ein spannender Krimi, bei dem mich vor allem der ausgearbeitete historische Hintergrund beeindruckt und mitgenommen hat. Nicht die „übliche“ Krimikost, aber etwas, das nachwirkt.
·          Planst Du Deine Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?
·          Manchmal weigern sich die Figuren, das zu tun, was ich von ihnen will. Oja, sie verselbstständigen sich. Dann bleibt mir nur eine Wahl: Den Ursprungsplan abzuändern oder mir eine Schreibblockade einzuhandeln. Beim Schreiben entsteht eine ganz eigene innere Logik zwischen den Figuren, die weit über das hinausgeht, was ursprünglich gedacht ist. Dann einfach den Ursprungsplan durchziehen, das funktioniert nicht, wobei Pläne ja dafür da sind, sie anzupassen ;-)
·          Wie gehst du mit negativen Rezensionen um?
·          Sie gehören zum Autorendasein wie Regen zum Sommer. Teilweise schätze ich sie sehr, genauso wie konstruktive Kritik, wenn sie mir einen Hinweis geben auf etwas, was ich noch verbessern kann. Sicher freue ich mich im ersten Moment mehr über positive Rezensionen und positive Rückmeldungen, tolle Vertragsangebote und Lob. Aber konkret weitergeführt hat mich zuletzt ein „Das können Sie besser“, dass mich dazu gebracht hat, ein gesamtes Romankonzept in die Tonne zu treten.
·          Was magst du überhaupt nicht in Büchern?
·          Es ist meistens ein Reihenphänomen, das tritt bei Büchern und auch bei Filmen auf: wenn nichts Neues mehr kommt, die Charaktere genau dort stehen bleiben, wo sie sind, die Rückblenden immer häufiger werden, die einzig mögliche Steigerung in der Form ausgearbeitet ist durch mehr Brutalität, mehr Schockeffekte.