Mittwoch, 10. Januar 2018

Interview mit einem Buchhandel .. diesmal "Das Buch in Eilendorf"



Marcel Emonds
Das Team

      Buchhandlungen sind gerade in der heutigen Zeit wichtig. Da, wo man noch persönliche Beratung bekommt von menschlichen Wesen, wo Ansprache noch hervorherrscht. Wo man als Leser noch wahrgenommen wird. Wo man auch ab und zu mal über was anderes plaudern kann als über Bücher. Dort kennt man sich noch, weiß vielleicht über den ein oder anderen Bescheid. Darum sind Buchläden wichtig! Gerade die kleinen, wo man sich als Leser noch wohl fühlt und heimisch! Und aus dem Grund kam ich auf die Idee mal mit Interviews anzufangen von „kleinen“ aber feinen Buchhandlungen. Anfangen tue ich mit der Buchhandlung in Eilendorf. Dort stand mir  Marcel Emonds – der gutmütige Chef Rede und Antwort. Vielen lieben Dank, Herr Emonds!
    Übrigens, hier stellt Herr Emonds seine Buchhandlung noch mal sehr schön vor! 
     Auch bei Facebook ist die Buchhandlung in Eilendorf vertreten. Aber nun auf zum Interview. Ihr seid doch bestimmt schon sehr gespannt!?
 
 
o   Mögen Sie Ihren Laden einmal in kurzen Worten vorstellen? Wie ist seine Entstehungsgeschichte?
o   Vor 19 Jahren von 3 engagierten aber fachfremden Damen gegründet, von mir im September 2015 übernommen. 45qm² uriger kleiner aber feiner Buchladen. Wenn man hereinkommt riecht es nach Büchern…sagen die Kunden immer!
o   Seit wann gibt es den Laden?
o   Siehe oben
o   Wie kommt man zu seinem eigenen Laden?
o   Die Damen wollten aus Altersgründen aufhören, und da ich nach 22 Jahren bei einer großen Buchhandlungskette was Eigenes machen wollte, noch dazu in meinem Heimat-Stadtteil! Meine Mutter behauptet, ich wollte schon seit ich ein kleiner Junge war eine Buchhandlung aufmachen.
o   Wievielte Mitarbeiter hat dieser Laden?
o   Mich Vollzeit, 1 Kollegen (Rentner) Mittwochnachmittags, und meine Frau die 7 Tage bis Heiligabend
o   Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihrem Laden aus?
o   Wie überall im Buchhandel: Ware wegräumen, Abholfach sortieren, Kunden bedienen, neu dekorieren, Kunden bedienen, aufräumen, Kunden bedienen, soziale Medien betreuen, Kunden bedienen…
o   was hat sich für Sie zuletzt verändert?
o   Die Nebenkosten steigen: Steuern, Krankenkassenbeiträge etc.
o   Wie macht sich das bemerkbar?
o   Kaum gewinn!
o   Wie sieht die Zukunft aus oder wie könnte die Zukunft aussehen?
o   Umzug in einem geeigneten Ladenlokal
o   Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, der die Situation Ihres Buchladens verbessern könnte, was würden Sie Sich dann wünschen?
o   Umzug in mein Wunschladenlokal in Eilendorf: 3mal so groß, ebenerdig, große Schaufenster, tolle Lage!
o   Wie verkauft man heutzutage Bücher?
o   Mit sehr viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen!
o   Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?
o   Gute Beratung, soziale Kontakte, Einkaufserlebnis…
o   Werbung für den Laden, wie gestaltet diese sich?
o   Ein befreundeter Medien Designer gestaltet Anzeigen, Lesezeichen, Gutscheine für mich
o   Thema Buchmessen? Wie steht der Laden zu Buchmessen?
o   Wichtig, besuche ich aber nicht mehr.
o   Welche (kuriosen) fragen kommen von manchen Kunden?
o   Eher Aussage: Ach, Sie sind ja viel schneller als Amazon (Internet) und genauso günstig!!!
o   Gibt es Bücher, die Sie immer und jedem empfehlen können?
o   Meg Wolitzer „Die Interessanten“ John Williams „Stoner“, alles von Richard Russo
o   Was ist Ihr meistverkauftes Buch?
o   Mein eigener Bildband „Über Aachen
o   Viele lassen sich Bücher von großen Internethändlern nach Hause schicken. Ärgert Sie das?
o   ja, das kann man auch auf meiner Webseite
o   Wie würden Sie den typischen Eilendorfer Buchfreund beschreiben?
o   Ganz normale interessierte Zeitgenossen, meistens weiblich!
o   warum sollte ich mein Buch eigentlich bei Ihnen kaufen und nicht bei Amazon?
o   Weil ich immer meine Steuern zahle!
o   Wenn ein Kunde in den Laden kommt, weil er ein bestimmtes Buch kaufen will, nimmt er manchmal auch noch ein Kochbuch mit, das er zwar gar nicht gesucht, aber bei Ihnen entdeckt hat?
o   Ja!
o   Was würden die Eilendorfer denn verlieren, wenn sich Ihr Geschäftsmodell irgendwann nicht mehr tragen würde?
o   Eine zentrale Anlaufstelle, eine Stelle die auch Kunst und Kultur in Eilendorf fördert!
o   Immer wieder hört man den Satz in der Branche „Die Buchszene ist im Umbruch“ –Was fällt Ihnen dazu ein? Wie und wo sehen Sie den Umbruch aktuell im Buchhandel?
o   Die großen schließen sich zusammen und werden immer stärker, es werden nur vereinzelt kleine Buchhandlungen überleben, vorzugsweise in Vororten.
o   Die Ladensvorschauen sind zunehmend gleich geworden. Es gibt einige Trends und eine Auswahl bestimmter Themen, die ausgeschlachtet werden z.B. Dystopien im Fantasybereich oder Thriller. Gab es früher mehr Mut zu unterschiedlichen Programmen und Themen?
o   Definitiv JA. Mein älterer Sohn hat schon vor 6 Jahren gesagt: Papa, gibt es noch irgendwas anderes als Bücher über Weltzerstötung?!
o   Heute übernehmen viele Blogger und Webliteraturtportale die Beratung und Weiterempfehlung von Büchern. Stellen Sie fest, dass Jugendliche bereits mit gezielten Vorstellungen in den Laden kommen?
o   Ja!
o   Als Buchhändler/in ist Ihnen das gedrucktes Buch sicher immer näher als E-books. Benutzen Sie einen E-Book-Reader, alternativ Tablet-PC zum Lesen – und wenn ja, ist das Lesen mit einem solchen Gerät „anders“ als mit einem gedruckten Buch?
o   Einmal versucht: Danke, nichts für mich. Meine Frau liest viel auf ihrem Reader.
(ha, dann geht es Herrn Emonds wie mir! Symphatisch :-D)
o   Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?
o   Ja, aber nicht von Amazon.
o   Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?
o   Niedrigere Gebühren, Kampf für höhere Ladenpreise, mehr Werbung für den unabhängigen Buchhandel
o   Wie sehen Sie das Verhältnis von E-Books und gebundenen Büchern?  Gibt es vielleicht bald keine gedruckten Bücher mehr? Oder ist so ein Ebook eine gute Ergänzung?
o   Ergänzung JA. Wir werden das gedruckte Buch noch viele, viele Jahre sehen.
(gottseidank!!)
o   Was zeichnet in Ihren Augen ein gutes Buch aus?
o   Man vergisst alles um sich herum.
o   Nach welchen Kriterien wählen Sie Autoren zur Lesung
o   Kenne ich den Autoren, kann ich ihn bezahlen, kommen die Kunden?
o   Gibt es Autoren, die unbedingt mal in Ihren Laden eine Lesung halten sollten?
o   Stephen King, Ken Follett, Jacques Berndorf
o   Ihre Buchempfehlung für die Leser?
o   Z.Zt. Tyll von Kehlmann, Yanagihara Ein wenig Leben, Paul Auster 1 2 3 4
o   Wie viele Bücher lesen Sie eigentlich?
o   25 Bücher
o   Mit welcher Literatur sind Sie aufgewachsen?
o   TKKG, Drei ???, Schneider Bücher unter anderem Geheimagent Lennet, mit 9 Jahren habe ich dann den „Graf von Monte Christo“ gelesen und dann die Bücher meiner Mutter.
o   Und zu guter Letzt, gibt es ein besonderes Erlebnis im Laden /vom Laden?
o   Nein, außer dass viele Kunden sagen: Bitte bleiben Sie uns noch viele Jahre erhalten


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen