Montag, 3. September 2018

Interview mit einer Autorin... diesmal Tanja Bruske


Foto von Tanja Bruske.de
Fantasie spielt in dem Leben der Autorin eine große Rolle. Auch in ihren Büchern. Aber auch das mystische und kriminalistische.  Schon im Grundschulalter schrieb sie erste Kurzgeschichten. Für Ihre Magisterabschlussarbeit befasste sich mit „Fantasy-Rollenspiel als Medienverbundangebot“.  Da ist es nicht ungewöhnlich, dass solche Mystische Krimis und Fantasiegeschichten aus ihrer Feder stammen 😊. Aber auch das Theater spielt bei de Autorin eine große Rolle.

Am meisten ist mir aber ihre Trilogie der Kinzigtal Krimis in Gedächtnis geblieben.

Aber wer ist die Autorin von „Leuchte“, „Tod am Teufelsloch“ und „Fratzenstein“?

Tanja Bruske war so nett und nahm Platz auf meinem braunen Sofa. Vielen Dank.


  • Liebe Tanja, Du hast ja schon jetzt drei Krimis geschrieben, die eine Zeitreise beinhalten. Wie kamst Du darauf?
    • Die Geschichte aus dem ersten Buch, über den tapferen Schultheiß, den Frauenmord und die Hinrichtung in meinem Heimatort Marköbel, hat mich schon seit meiner Kindheit gefesselt. Ich wollte immer gerne einen Roman darüberschreiben, wusste aber nicht genau, wie ich das anfangen sollte. Dann habe ich die Outlander-Bücher von Diana Gabaldon gelesen. Ich fand die Idee, eine Protagonistin aus der Gegenwart zu nutzen, um das Geschehen durch ihre Augen zu sehen, sehr spannend. Da das gut funktioniert hat, musste Lisa noch zwei weitere Male 'ran :) Jetzt ist sie aber im Ruhestand – für meine neue Serie muss eine andere Zeitreisende den Job übernehmen.
  • Wie recherchierst Du für Deine Bücher?
    • Zu viel! :) Ich recherchiere mich gerne kaputt und ärgere mich dann, dass ich gar nicht alle Informationen unterbringe. Ich will schließlich auch kein Erklärbär sein. Ich lese sehr viel über die historischen Gegebenheiten, und da meine Bücher ja lokalhistorisch sind, fahre ich an die Orte, an denen sie spielen, laufe durch die Gassen, spreche mit Leuten vor Ort, die sich mit der Geschichte ihrer Heimat befasst haben. Ich versuche immer, alles möglichst korrekt zu machen. Aber ich glaube, gegen Fehler ist niemand so richtig gefeit. Grobe Schnitzer gab es aber glaube ich in meinen Büchern bislang nicht.
  •  Wärst Du lieber der Schurke oder der Gute in Deinen Krimis, falls Du dort eine Rolle spielen könntest?
    • Ich mag ja den Raben-Stephan sehr gerne – ob das ein Guter oder ein Böser ist, muss jeder selbst entscheiden - am ehesten ist er wohl chaotisch guter Gesinnung, wenn man im Rollenspieljargon reden möchte.  Vielleicht macht das auch seinen Reiz aus, dass er weder das eine, noch das andere ist. Ich mag diese Figur jedenfalls so gerne, dass er bereits eine Kurzgeschichte bekommen hat. Vielleicht kommen noch ein paar dazu, wenn ich Zeit habe.
  • Hast Du lange gebraucht, um einen Verlag zu finden, der Deine Bücher druckt und herausbringt?
    • Erstaunlicherweise gar nicht. Als ich am ersten Buch gearbeitet habe, hatte ich Kontakt zu Gerd Fischer vom Mainbook-Verlag. Ich arbeite hauptberuflich als Redakteurin und habe ein Interview mit Gerd gemacht. Weil wir uns gut verstanden, habe ich ihn gefragt, ob er sich ein paar Seiten meines Romans mal anschaut. Das hat er gemacht, fand ihn auch gut, hatte zu diesem Zeitpunkt aber ausschließlich realistische Gegenwartskrimis im Programm. Als ich zwei Jahre später die Arbeit an „Leuchte“ beendet hatte, war Mainbook gewachsen und hatte sein Programm erweitert. Ich fragte vorsichtig nochmal nach – und hatte wenig später einen Vertrag in der Hand.
  • Du warst bestimmt nicht immer Autor. Welchen Beruf hast Du vor dem Schreiben ausgeführt und seit wann bist Du am Schreiben.
    • Die wenigsten Autoren können vom Schreiben leben. Ich gehöre nicht dazu. Ich arbeite als Redakteurin bei der jüngsten Tageszeitung Deutschlands, der Gelnhhäuser Neue Zeitung. Dort habe ich nach meinem Germanistik-Studium volontiert und bin dortgeblieben, fühle mich sehr wohl in dem Job.
    • Mit dem Schreiben habe ich wie wohl die meisten in meiner Kindheit schon begonnen. Mein erstes veröffentlichtes Buch, der Fantasy-Roman „Das ewige Lied“, entstand gegen Ende meines Studiums und hat einen Wettbewerb bei Radio FFH gewonnen, wurde auf diesem Wege veröffentlicht. Da habe ich beschlossen, es ernsthaft mit dem Schreiben zu versuchen und hatte nach fünf Jahren Arbeit an „Leuchte“ ja auch gleich Erfolg. Kurz danach habe ich die Möglichkeit bekommen, beim Bastei-Verlag an der Heftromanserie „Maddrax“ mitzuarbeiten. Und auch im Peter Hopf-Verlag habe ich einen Teil der Serie „Deinoid“ veröffentlicht.
  • Schreibst Du jetzt hauptberuflich?
    • Nein – das heißt ja, denn ich bin nach wie vor Redakteurin und schreibe da ja auch ;). Ich hatte jetzt zwei Jahre Elternzeit – und nein, in dieser Zeit kommt man nicht so viel zum Schreiben :) Aber ich schreibe dennoch viel an eigenen Projekten und für Maddrax - mittlerweile sind dort 17 Romane von mir erschienen, so dass ich mich guten Gewissens als zumindest semiprofessionelle Autorin bezeichnen kann.
  • Hat sich Dein Leben verändert, als Du Dein erstes Buch herausgebracht hast?
    • Nicht unmittelbar. Ich bin ja nicht J.K.Rowling, in meinem direkten Umfeld haben das gar nicht so viele mitbekommen, erst nach und nach. Aber seltsam ist es schon, dass man plötzlich selbst interviewt wird, statt zu interviewen. Und ganz surreal fand ich, als ich das erste Mal als Maddrax-Autorin auf der Colonia-Con war und dort nach Autogrammen gefragt wurde. Das traf mich total unvorbereitet.
  • Wie sieht momentan Dein Alltag aus? Wieviel Zeit verbringst Du mit dem Schreiben?     Und wie baust Du den Alltag in das Schreiben ein?
    • Noch bin ich ja in Elternzeit und meine Kleine geht seit kurzem in den Kindergarten. Da habe ich vormittags plötzlich mindestens drei Stunden Zeit zum Schreiben – ein Traum! Wenn ich ab November wieder arbeiten gehe, werde ich in meinen alten Rhythmus zurückkehren und vor allem abends schreiben, wenn die Kinder im Bett sind. Das klappte auch immer ganz gut.
  • Hast Du noch Projekte, die Du in Zukunft erreichen oder beenden willst?
    • Ich arbeite gerade an einer neuen lokalhistorischen Serie, die einen großen Fanatsy-Anteil haben wird. Die Serie wird deutlich mehr Teile haben als die Kinzitaltrilogie, also habe ich die nächsten Jahre gut zu tun. Und auch im Heftromanbereich steht vielleicht etwas Neues an, auf das ich mich sehr freue - mal sehen, ob es klappt...
  • Was hat dir dein Vater und was hat dir deine Mutter mitgegeben?
    • Hui... Also, mein Vater ist der Kreative von meinen Eltern. Er schreibt zwar nicht, aber er ist gelernter Schaufensterdekorateur, hat viel selbst gebaut und gebastelt, das fand ich immer toll. Ich denke, das Kreative habe ich von ihm. Und meine Mutter hat schon immer viel gelesen und mich zum Lesen gebracht – tatsächlich auch zu Science-Fiction-Heftromanen. Sie ist übrigens meine Erstleserin und erste Kritikerin, was meine Texte angeht.
  • 3 Dinge, die zu einem perfekten Tag dazu gehören?
    • Zeit mit meiner Familie, Zeit zum Schreiben und Eiscreme
  • Welcher Film bringt dich zum Lachen und welcher zum Weinen?
    • Ich sehe sehr viele Filme und Serien, das ist ganz schön schwer... Gelten auch Serien? Da finde ich zur Zeit „Lucifer“ sensationell gut. Hm... Lachen kann ich meistens über Filme von Kevin Smith (außer „Tusk“ - der war selbst mir zu seltsam), und ich mag komische Figuren wie Groot aus „Guardians of the Galacy“. Das letzte Mal geweint habe ich bei „Toy Story 3“. Ich hatte selbst zu meinen Spielzeugen immer eine sehr emotionale Bindung und fand es furchtbar traurig, als sie am Ende von „ihrem“ Andy Abschied nehmen mussten... Dieses endgültige „Groß-Werden“, dieser Abschied von der Kindheit und den damit verbundenen Ritualen, das ist in diesem Film ganz großartig dargestellt.
  • Welches Buch kannst du uneingeschränkt empfehlen und warum?
    • Uneingeschränkt ist schwer. Das würde ja heißen, für absolut jeden. Aber ein Buch, das wirklich jedem gefällt, gibt es glaube ich nicht. Für meine Nerd-Generation empfehle ich: Ready Player One. Sensationell. Nicht mit dem Film vergleichbar- der ist auch gut, aber für eine andere Generation gemacht. Aber wenn Du nach meinem Lieblingsbuch fragst: Das ist „Die unendliche Geschichte“. Da steckt alles drin.
  • Was magst du überhaupt nicht in Büchern?
    • Wenn ich den Schluss unbefriedigend finde. Das kam bislang nicht so oft vor, aber einmal habe ich mich richtig geärgert: Da kam das Ende so plötzlich und unlogisch, dass ich das Gefühl hatte, die Autorin hatte jetzt keine Zeit mehr und musste eben Schluss machen. Ich war regelrecht sauer, dass ich das Buch überhaupt gelesen habe, weil am Ende nichts, aber auch gar nichts von dem aufgelöst wurde, was zuvor an Handlung „gestrickt“ worden ist. Und nein, es gab keine Fortsetzung
  • Was würdest du deinen Lesern gerne einmal sagen?
    • Ich freue mich, wenn ich mit meinen Geschichten jemandem den Tag verschönern kann und bin dankbar für diejenigen, die mich unterstützen!
  • Bestimmt wirst Du oft in Interviews das Gleiche gefragt. Welche Fragen können Du nicht mehr “lesen” und welche Frage würdest Du gerne einmal beantworten?
    • Also, sooooo oft bin ich nun auch noch nicht interviewt worden :) Und bis jetzt waren alle Interviewer sehr kreativ. Aber mir Fragen an mich selbst auszudenken finde ich sehr schwierig – ich weiß ja alles über mich... glaube ich zumindest...
  • Planst Du Deine Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?
    • Im Prinzip strukturiere ich sie schon sehr genau durch. Aber manchmal passieren Sachen einfach. Oder ich finde bei der Recherche noch etwas heraus, das super passt und dann noch eingebaut wird. Dass ein Charakter macht, was er will, kommt nicht so oft vor. Beim Raben-Stephan war es tatsächlich so. Den hatte ich eigentlich total unsympathisch geplant. Doch dann wurde er irgendwie zu charmant dafür. Der Mistkerl.
  • Hast du selber schon mal die Orte/Gegenden bereist von denen Du in deinen Romanen so schreibst? Und was lässt Dich immer wieder solche Orte für Deine Romane auswählen?
    • Meine historischen Romane spielen ja in meiner Heimat, also ja: Das gehört für mich dazu, die Regionen, Städte und Dörfer zu kennen. Ich wähle sie danach aus, dass ich eine interessante Geschichte darüber höre, über die ich mehr erfahren und die ich neu erzählen will.
    • Natürlich würde ich auch gerne mal die Schauplätze von Maddrax besuchen – bis jetzt waren das bei mir unter anderem eine Unterwasserstadt von Außerirdischen und ein fremder Planet mit unzähligen außerirdischen Lebewesen :) Aber das liegt wohl außerhalb meiner Reichweite.
  • Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir?
    • Ich hoffe mal, weil Dir das, was Du von mir gelesen hast, gefallen hat :)
      • (auf jeden Fall. Ich kann die Kinzig Trilogie nur bestens empfehlen!)
  • Wie gehst du mit negativen Rezensionen um?
    • Ich habe ja oben schon gesagt: Kein Buch kann jedem gefallen, das ist einfach so. Wenn jemand meinen Stil nicht mag oder die Geschichte blöd findet, dann kann ich das schließlich nicht ändern. Ich mag ja auch nicht alles. Gemein finde ich Kritiken, die irgendwie persönlich werden – ich habe dem Leser schließlich nichts getan, also braucht er mich auch nicht anzugreifen. Ich rege mich aber auch nicht ewig darüber auf, damit vergeudet man nur kostbare Zeit.
    • Aber sooo viele negative Kritiken hatte ich bislang auch gottseidank nicht. Ich freue mich übrigens über JEDE Bewertung, also ruhig ran an die Tastatur und losgeschrieben.
  • Lebensmotto?
    • Nach Oscar Wilde: Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.
 
Vielen Dank, liebe Tanja für die Zeit, die Du Dir für das Interview genommen hast. Es war mir eine Freude.

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