Donnerstag, 13. September 2018

Verlagsinterview ... diesmal der Fehnland Verlag


www.Fehnland-verlag.de
Wenn man an „Fehnland-Verlag“ denkt, sagt das einem erst mal gar nichts. Kann ja auch nicht, denn diesen kleinen feinen Verlag gibt es erst seit kurzem. Gegründet hat ihn Dr. Michael Kracht und, was mich echt positiv überrascht hat, er ist zur Schule gegangen studierte unter anderem auch in Würzburg. (Nur am Rande bemerkt, ich wohne im Schweinfurter Land, ca 45 km von Würzburg weg :-D)
Aufmerksam bin ich auf den Verlag eigentlich geworden durch Manfred Lukaschewski und sein bald erscheinendes Buch „Morden für Anfänger ein Ratgeber für Krimi-Autoren und Leser
Dr. Kracht ist von Haus aus Biologe, hat über 30 Jahre lang in der Arzneimittelentwicklung gearbeitet, und dabei lange und weite Forschungsreisen unternommen. Neben fast allen europäischen Ländern, hat er Nord-, Mittel- und Südamerika bereist, war vier Jahre lang in Indien, und jeweils zu kürzeren Aufenthalten in Ägypten, Saudi Arabien, Qatar, Jemen und Tunesien.
Nach der Pensionierung hat Dr. Kracht seinen Platz hier im Verlagswesen gefunden. Und so hat er mit Freude auf meinen braunen Sofa Platz genommen und mir seinen kleinen feinen Verlag einmal vorgestellt. Vielen Dank, Dr. Michael Kracht!


·       Magst Du Deinen Verlag einmal in kurzen Worten vorstellen? Wie ist seine Entstehungsgeschichte?
o   Sehr gerne, Anja. Ich habe vor einigen Jahren, vor allem während längerer Dienstreisen, angefangen zu schreiben. Erst nur kurze Notizen, Stimmungsbilder, einzelne Szenen. Aber ich hatte da schon die Idee, irgendwann daraus auch ein Buch zu machen. Da ich schon immer sehr viel im Internet gearbeitet hatte, war es naheliegend, auch für das Schreiben und Recherchieren das Internet zu nutzen. So kam ich sehr schnell in Facebook-Gruppen für Autoren. Da bekam ich dann zwei wichtige Problemfelder der Autoren mit: Lektorieren und einen Verlag finden. Ich war schon immer ein „Macher“: Wenn ich ein Problem gesehen habe, habe ich versucht, es zu lösen. Also habe ich bei der „Akademie der Deutschen Medien“ eine Ausbildung zum Lektor gemacht; hat etwa ein Jahr gedauert. Dann habe ich das nächste Problem angepackt und einen Verlag gegründet. Das ging schneller: Ein Gang zu unserem Rathaus, Gewerbeanmeldung für 30,- €, das wars!

·       Seit wann gibt es den Verlag?
o   Die offizielle Anmeldung war am 3. April 2017, das erste eigene Buch ist dann am 14. September 2017 erschienen, also vor genau einem Jahr. Inzwischen sind 15 Titel auf dem Markt, einige bereits in der 2. Auflage.

·       Wievielte Mitarbeiter hat dieser Verlag?
o   Der Verlag hat genau einen festen Mitarbeiter – nämlich mich. Daneben gibt es einige freie Mitarbeiter und einige Dienstleister.

·       Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Deinem Verlag aus?
o   Meistens sitze ich ab 9 Uhr am Schreibtisch. Vormittags kann ich am besten die „Verwaltungsarbeit“ machen, also Rechnungen schreiben oder bezahlen, Briefe beantworten, Bücher verschicken, mit Dienstleistern telefonieren, E-Mails – und so weiter. Am Nachmittag sitze ich dann eher an Korrekturarbeiten oder Lektorat, oder lese mir eingeschickte Manuskripte durch, mache den Buchsatz oder programmiere E-books.

·       Was ist das Besondere an deinem Verlag?
o   Ich konzentriere mich auf wenige Genre, aber da versuche ich, gute Bücher zu machen.

·       Werbung für den Verlag, wie gestaltet diese sich?
o   Heikles Thema! Ein Kleinverlag, wie der Fehnland-Verlag, hat ja meistens auch ein begrenztes Budget. Ich kann mir also keine großen Anzeigen in den Illustrierten oder Fernsehwerbung leisten. Ich mache vor allem Werbung in den social media, also Facebook, Instagram, eigene Internetpräsenz, zweimal im Jahr gibt es ein Verlagsverzeichnis, dann gehe ich auf Buchmessen.

·       Gibt es einen Schwerpunkt bzw. bestimmte Genre in Bezug Bücher in Deinem Verlag? Z. B. Krimis, Kinderbücher oder Romantik?
o   Ich mache Spannungsliteratur – also Krimis, Thriller – und daneben anspruchsvolle Gesellschaftsromane. Kinderbücher, Fantasy, Horror, Lyrik machen wir nicht.

·       Thema Buchmessen? Wie steht der Verlag zu Buchmessen?
o   Ich gehe sehr gerne auf Buchmessen! Natürlich am liebsten auf solche, wo ich etwas verkaufen kann. Auf der BuchBerlin (24.-25. November) bin ich in dieses Jahr zum dritten Mal. Dazu kommt dieses Jahr erstmals die BookOldesloe (3.-4. November). Im Juni war ich auf der Buchmesse Hofheim, und im März auf der Leipziger Buchmesse. Auf den beiden letzten habe ich aber leider nichts verkauft – kein einziges Buch.

·       Wie kommt der Preis von einem Buche zustande?
o   Generell ist das eine normale Kalkulation, wie in allen Gewerbebranchen: Ich nehme alle Unkosten, rechne meine Gewinnspanne dazu, und habe den Verkaufspreis. In der Praxis ist es leider doch viel komplizierter: Ich muss zusehen, dass am Ende der Preis noch „bezahlbar“ für die Leser bleibt. Am meisten verdient der Handel – 30-35% des Buchpreises. Etwa 20% kosten Druck und Cover, je 10% bekommen der Vertrieb, der Autor und der Verlag, der Rest geht drauf für Steuern, Werbung und sonstige Nebenkosten – es bleibt kaum war übrig!

·       Wie siehst Du das Verhältnis von E-Books und gebundenen Büchern?  Gibt es vielleicht bald keine gedruckten Bücher mehr? Oder ist so ein Ebook eine gute Ergänzung?
o   Ich glaube und hoffe, es wird immer gedruckte Bücher geben. Die E-books machen etwa 15-20% vom Umsatz aus. Auf Reisen habe ich selber einen Reader dabei – zu Hause lese ich nur Gedrucktes.

·       Was zeichnet in Deinen Augen ein gutes Buch aus?
o   Ein spannender, gut erzählter Inhalt. Und ein handwerklich gut gemachtes Buch – also möglichst ohne Fehler, guter Buchsatz, saubere Druck, gute Bindung. Und ein Cover, das Aufmerksamkeit erregt.

·       Wie viele Autoren arbeiten derzeit für Deinen Verlag?
o   Ich habe einmal unsere Kurzkrimi-Reihe „teilweise tödlich“ – der vierte Band ist gerade erschienen. Da sind regelmäßig 18-22 Autoren beteiligt. Und dann gibt es die Romane, das sind zurzeit 12 Autoren.

·       Gibt es Autoren, von denen Du unbedingt mal gerne was verlegen würdest?
o   Da kann ich gar keine Namen nennen. Die berühmten Autoren kann ich mir nicht leisten, und die würden sicher auch nicht zu einem kleinen Verlag kommen.

·       Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Du ein Manuskript in die engere Auswahl für eine Veröffentlichung nimmst?
o   Es muss vor allem spannend sein. Ich muss schon beim Lesen der Leseprobe das Gefühl haben, das es mich in das Buch hineinzieht, das ich nicht aufhören kann oder will zu lesen. Dann muss natürlich das Thema stimmen, und außerdem muss es erkennbar nicht zu viel Arbeit machen beim Lektorat und Korrektorat.

·       Wie unterstützt Du die Autoren in Bezug auf Werbung?
o   Wir machen für fast alle Bücher Lesezeichen, und wir unterstützen die Autoren den Druck von Plakaten für Lesungen. Die Bücher werden immer und wiederholt durch Werbung auf Facebook und Instagram angeboten, und wir versuchen, für den Autor Lesungen zu organisieren.

·       Wie kommen die Autoren auf deinen Verlag? Welche Kriterien sind da auschlaggebend?
o   Das kann ich Dir gar nicht beantworten – da müsste man mal die Autoren befragen 😊

·       Wie sieht die Zukunft aus oder wie könnte die Zukunft aussehen?
o   Ich werde weiter gute Manuskripte suchen und pro Jahr etwa 10 neue Buchtitel veröffentlichen.

·       Deine Buchempfehlung für die Leser?
o   Ich liebe alle meine Bücher und möchte eigentlich keins besonders hervorheben. Trotzdem: „Jahrring“ von Sabine Hennig-Vogel ist ein besonders gut gelungener Krimi, der die Wendezeit und die Stasi-Vergangenheit beleuchtet; und der Roman „Affenleuchten“ von Lisa Weichart – ein Psychothriller – schildert sehr eindringlich eine Abhängigkeitsbeziehung.



Ich denke, Affenleuchten werde ich mir wohl mal näher anschauen. Schon allein weil die Protagonistin Anja heißt :-D.

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