Hallo Leon Syllibis,
vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten. Ich freue mich sehr auf Deine Einblicke zu Deinen Büchern, Deinem Schreibprozess und Deinen Erfahrungen als Autor.
Leon habe ich ja schon vorgestellt bzw. ich habe ihn sich selber vorstellen lassen.
Block 1: Inspiration & Buchideen
1. Wie kamst du auf die Idee zu deinem letzten Buch?
Ich habe mit meinem Freund das „Phantom der Oper“ in Wien gesehen. Die düstere Atmosphäre hat mich sofort ergriffen. Davor hatte ich auf meinem Ideenlager bereits die Idee von einer einsamen Insel und dem Dienst als Soldat des 17. Jahrhunderts dort. Beides war schon im Stück gedanklich verbunden und erste Szenen gefühlt da auch geschrieben. Zurück im Hotel habe ich umgehend angefangen und die Story geplant sowie die ersten ~1.000 Wörter geschrieben. Auf der zehnstündigen Rückfahrt am nächsten Tag habe ich alles bis auf das Vorwort geschrieben.
(das verstehe ich. Ich habe damals "Phantom der Oper in Hamburg gesehen und weiß, warum Leon gefesselt davon ist)
2. Sind darin biografische Elemente verarbeitet?
Ich studiere Geschichte, viel weiter würde ich nicht gehen.
3. Ist bereits ein neues Buch in Arbeit? Wenn ja, worum geht es?
Ich habe immer mehrere Werke in Arbeit, weil ich recht viele Ideen habe. Deswegen dauert es immer, bis ich etwas fertig habe: Es ist einfach schwierig, nicht zur nächsten verlockenden Idee zu springen. :)
4. Planst du deine Bücher immer von Anfang bis Ende, oder verselbstständigen sich manchmal Charaktere?
Das ist unterschiedlich. Ich habe mit beidem gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Zur Zeit gehe ich wieder in Richtung „Erst Gerüst, dann schreiben“. So ist auch „Trotzkern“ entstanden. Aber im Grunde darf es nur einfach nicht zu wenig Schreibfreiheit sein. Sobald das gerben ist, funktioniert es für mich ganz gut.
5. Wie recherchierst du für deine Bücher?
Manchmal lese ich andere Werke zum Thema (beispielsweise gerade „Vonne Endlichkait“, das letzte Werk von Günther Grass und auszugsweise das wissenschaftliche Werk „Die Freiheit zu gehen“ für ein Buchprojekt, an dem ich arbeite.) In manchen Fällen bin ich durch mein Studium (Deutsch und Geschichte im Lehramt) schon genügend im Bilde, um sofort loszulegen. Wichtig ist mir, dass ich natürlich keine Falschinformationen verbreite. Für die Ideen selbst reicht mein Alltag: Neben dem Studium kommen mir manche Ideen durch Träume oder Erlebnisse.
Block 2: Schreibprozess & Alltag
1. Wie sieht momentan dein Alltag aus? Wieviel Zeit verbringst du mit dem Schreiben?
Ich schreibe logischerweise immer je nach Freizeit. Das allein ist aber kein ausreichender Indikator: Wenn viel im Studium ansteht kann das dazu führen, dass ich sehr wenig oder selten schreibe - oder sehr viel. Nach Prüfungsphasen oder in Ferien schreibe ich auch schon mal ein paar Stunden am Stück. Ansonsten bin ich auch noch politisch und bei einem Onlinemagazin für Videospiele ehrenamtlich aktiv,sodass ich manchmal weniger Zeit zum Schreiben habe, als ich dann gerne hätte. Insgesamt kann ich mich aber nicht beschweren.
2. Hast du noch Projekte, die du in Zukunft erreichen oder abschließen möchtest?
Da liegen tatsächlich so einige auf meinem iPad. Ich habe mich bisher nicht auf ein Genre festgelegt, deshalb kann ich auch gut mehrere Projekte nebeneinander führen, ohne, dass sie sich gegenseitig Ideen wegnehmen. Ich schreibe also mal hier und mal da, manchmal (wie bei Trotzkern) aber auch sehr konzentriert an einem Projekt. Dadurch fühlt sich Schreiben immer sehr frisch an und ich brauche nur noch gute Musik. Mehr Infos dazu teile ich übrigens immer auf Instagram: @leonsbonn und @leonschreibt04
Block 3: Karriere & Verlag
1. Hat sich dein Leben verändert, seitdem du dein erstes Buch veröffentlicht hast?
Mein erstes gedrucktes Exemplar in den Händen zu halten, hat auf jeden Fall meine Motivation und Liebe zum Schreiben gefestigt. Seitdem schreibe ich auch längere Sachen. Da ich noch recht jung bin und ewig an Dingen werke, bis ich zufrieden bin, habe ich bisher nichts Längeres veröffentlicht. Trotzkern ist ja eher ein Zwischenprojekt für mich gewesen (wenn auch eines, das mir persönlich besonders am Herzen liegt).
Block 4: Persönliches & Lebensweisheiten
15. Was haben dir deine Eltern (Vater/Mutter) mitgegeben?
Meine Eltern haben mir mitgegeben, an mich zu glauben. Allgemein hat meine Familie bisher immer sehr positiv reagiert, wenn ich kreativ wurde. Das fing schon mit dem aufmerksamen Zuhören an, als ich mir als Kleinkind erste Geschichten ausgedacht habe.
16. 3 Dinge, die zu einem perfekten Tag dazugehören?
Gute Musik, ein Quäntchen Kreativität und Selbstvertrauen (alternativ auch etwas Sonne).
17. Welcher Film bringt dich zum Lachen, welcher zum Weinen?
Ich habe als Teenager gerne die Serie Sex Education gesehen, weil die Freundschaft dort so positiv auf die jeweiligen Leben einwirken, es tolle, behutsame Charakterentwicklungen gibt, manche Szenen einfach lustig sind und das löst bei mir beides, Weinen und Lachen aus. (Ich habe allerdings noch nicht die 4. Staffel gesehen.)
18. Lebensmotto?
Ich würde es so zusammenfassen: Wertvoll ist das Leben, wertvoller die Literatur über das Leben, am wertvollsten die eigene Mental Health.
Block 5: Leser:innen & Rezensionen
(Hier habe ich noch nicht genügend Erfahrung.)
(kommt noch, bestimmt :-D)
aBlock 6: Spaß & Kreative Fragen
22. Wärst du lieber der Gute oder der Schurke in deinen Krimis?
Ich schreibe gerade aus Spaß an einer Sherlock Holmes Pastiche. Da wäre ich weder gerne Holmes, noch sein Gegenspieler. Wenn, dann wäre ich Dr. John Watson.
(Ui, da bin ich gespannt. Hört sich spannend an!)
23. Was magst du überhaupt nicht in Büchern?
Natürlich kann man nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, aber die ewig gleichen Gangmuster, Stereotypen oder unsinnige Metaphern (aka „Er genoss den Schweiß in seinen Augen“) finde ich langweilig bis unfreiwillig belustigend. Andererseits passiert mir das sicher auch ab und zu.
24. Welches Buch kannst du uneingeschränkt empfehlen – und warum?
„Die Verwirrungen des Zögling Törleß“ von Musil und „Das Mädchen Manuela“ von Winsloe und zwar genau in dieser Reihenfolge, nacheinander. Beide behandeln Themen, die zur Entstehungszeit stark tabuisiert bis kriminalisiert wurden. Dazu kommt, dass Mädchen Manuela sich etwas traut, wovor viele Autor*innen zurückschrecken: Durchgehend eine Biographie von Geburt an zu schreiben und dabei jeden Moment mitzunehmen.
Ergänzung: Warum gendere ich in meinem Werk, wenn es zeitgemäß passt? Als jemand, der sich wissenschaftlich mit Sprache beschäftigt, überwiegen die Vorteile für mich einfach. Natürlich fängt ein John Watson aus dem 19. Jahrhundert nicht an, zu gendern. An der Stelle würde Gendern für mich historische Unterdrückungen verschleiern und das möchte ich ja eben nicht erreichen.
Lieber Leon, vielen Dank für das interessante Interview. Es war mir eine Freude, hinter dem Autor zu schauen. okay, das mit dem Gendern ist nicht meines, das stört mich ein wenig. Aber das sagt ja nichts über die Qualität des Buches bzw. der Geschichte aus. Meine Rezension zu "Trotzkern" könnt Ihr Euch hier anschauen. Es lohnt sich, dieses Novell zu lesen :-)
Jedenfalls bin ich der Meinung, mit 21 Jahren so ein interessantes Buch herauszubringen, bedeutet schon was. Sprachgewaltig, so würde ich die Novelle bezeichnen.