Liebe Nicole,
vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten. Ich freue mich sehr auf Einblicke in Deine Bücher, Deinen Schreibprozess und Deine Erfahrungen als Autorin.
Aber erst einmal, wer ist Nicole Eick?
(Bild ist von ihrer Homepage. Danke)Sie ist in Karlsruhe geboren. Und hat mit 11 Jahren schon angefangen zu schreiben. Leider war ihr erster Roman „Ferien in der Gespensterhütte“, mit 12 Jahren, unveröffentlicht geblieben. Schade, der wäre bestimmt spannend gewesen.
Dann kam Bamberg, wo sie Sozialpädagogik studiert hat und danach nach Coburg gezogen ist. Bis 2024 war sie nebenberuflich freie Mitarbeiterin der Neuen Presse Coburg. Vor über 15 Jahren gründete sie die Coburger „Autorengemeinschaft Schreibsand“ mit und ist sogar Vorstandsmitglied des Autorenverbandes Franken e.V.
So eine Powerfrau darf bei den Mörderischen Schwestern und beim Syndikat nicht fehlen.
Heute ist sie freie Autorin und Journalistin. Eine sehr facettenreiche Person, die Nicole 😊
Und jetzt freut Euch auf ein interessantes Gespräch mit Nicole Eick.
Block 1: Inspiration & Buchideen
1. Wie kamst Du auf die Idee zu Deinem letzten Buch?
> durch einen Besuch auf Burg Königstein in Sachsen, dort gab es eine Ausstellung zu den Jugendwerkhöfen der DDR, die mich sehr beschäftigt hat
2. Sind darin biografische Elemente verarbeitet?
> nur insofern, dass einzelne Figuren Eigenarten oder auch Hobbies haben, die es im Familien- oder Freundeskreis gibt
3. Arbeitest Du bereits an einem neuen Buch? Wenn ja, worum geht es?
> ganz grob: um ein verschwundenes Kind. Der Plot existiert aber vorläufig nur in meinem Kopf. Ich bin noch beim Recherchieren.
4. Planst Du Deine Bücher von Anfang bis Ende oder verselbstständigen sich Deine Figuren manchmal während des Schreibens?
> erwischt! Die Figuren verselbstständigen sich gern … warum auch nicht. Wer bin ich, dass ich ihnen diktiere, was sie zu tun haben!
(Das macht aber dann auch sympathischer Protagonisten in einem Buch aus!)
5. Hast Du die Orte oder Regionen, über die Du schreibst, selbst bereist? Warum wählst Du diese Schauplätze aus?
> Bamberg kenne ich natürlich gut, ich habe dort studiert und gearbeitet. Im aktuellen Krimi geht’s viel um die DDR – dort war ich seit den 70ern regelmäßig zu Besuch, weil ich eine gute Freundin in Sachsen habe
6. Wie recherchierst Du für Deine Bücher?
> unterschiedlich: Literatur zum Thema natürlich (oft schwer zu finden), Interviews mit interessanten Personen, Vor-Ort-Recherche (demnächst z.B. bei der Feuerwehr)
7. Was ist die verrückteste Sache, die Du jemals für eine Recherche gemacht hast?
> die steht eher noch aus: Ich würde gerne schießen lernen!
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Block 2: Schreibprozess & Alltag
- Wann hast Du erkannt, dass Du hauptberuflich schreiben möchtest?
> daran, dass soviel Zeug in meinem Kopf herumschwirrt, was raus will! Leider besteht zwischen Wunsch und Wirklichkeit des hauptberuflichen Schreibens eine große Diskrepanz: Nicht die Autorin entscheidet, ob sie nur noch schreibt, sondern die Leser und zunehmend der schwierige Buchabsatzmarkt ...
- Wie sieht Dein Alltag derzeit aus? Wie viel Zeit verbringst Du mit dem Schreiben?
> zu wenig! Aber ich kann sehr gut überall und zu jeder Tageszeit schreiben, auch mal nur wenige Seiten. Das geht immer.
- Wie bringst Du Alltag und Schreibarbeit unter einen Hut?
> Das war schwieriger, als ich noch ganztags gearbeitet habe. Andrerseits war ich dann disziplinierter. Heute lenkt mich zu viel ab, dass ich auch noch machen will ...
- Welche Szene ist Dir beim Schreiben besonders schwergefallen – und warum?
> das sind in der Regel die sehr emotionsbeladenen Szenen – Gewalt, aber auch Liebe und Intimität. Da rette ich mich dann ins „show, don’t tell“, was dann sehr drastisch rüberkommen kann, aber nicht so leicht ins Kitschige abrutscht
- Welche Figur hat Dich selbst am meisten überrascht?
> im neuen Krimi am ehesten Renate, die DDR-Mutter, die eins ihrer Kinder zurücklassen musste. Obwohl sie so etwas Schlimmes machen musste, ist sie keine schlechte Person. Beim Schreiben konnte ich mich immer besser in sie hineinfühlen, obwohl ich anfangs ein eher negatives Bild von ihr hatte
- Gibt es eine Figur, die Dir ähnlich ist, obwohl Du das ursprünglich nicht geplant hattest?
> In jeder Frauenfigur steckt ein Teil von mir – nicht immer was Gutes!
- Gibt es Projekte oder Ziele, die Du in Zukunft noch verwirklichen möchtest?
> ein Drehbuch für einen Film schreiben, in einem Krimi mitspielen, Klavier spielen lernen, Geschichte studieren, meine Memoiren schreiben ...
(ui, da hat die Autorin noch was vor 😊)
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Block 3: Karriere & Verlag
- Hattest Du Schwierigkeiten, einen Verlag für Deine Bücher zu finden?
> oh ja, das ist ein hartes Brot und wurde immer härter im Lauf der Jahre. Große Verlage haben ihre Hausautoren und lassen sich kaum auf neue Experimente ein, von Literaturagenten habe ich niemals eine Antwort erhalten. Um so dankbarer bin ich Thomas Endl, der tatsächlich mein Manuskript gelesen und mich angerufen hat.
- Hat sich Dein Leben verändert, seit Dein erstes Buch veröffentlicht wurde?
> Das Erscheinen des ersten Buches war furchtbar aufregend. Dann habe ich gemerkt, dass das gar nichts heißen muss: Bestsellerautorin wird man noch lange nicht. Heute gehe ich eher entspannt mit Erfolg und Misserfolg um, freue mich über gute Kritik und lasse mich von kritischen Stimmen eher motivieren als runterziehen.
- Hast Du vor Deiner Tätigkeit als Autor einen anderen Beruf ausgeübt? Wenn ja, welchen?
> Ich habe mein ganzes Berufsleben als Sozialpädagogin gearbeitet – Quelle und Inspiration für meine Romanfiguren!
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Block 4: Persönliches & Lebensweisheiten
- Welche drei Dinge gehören für Dich zu einem perfekten Tag?
> Wärme, Lust zu schreiben und zu wissen, dass es meiner Familie gut geht
- Welcher Film bringt Dich zum Lachen, welcher zum Weinen?
> alles von Loriot zum Lachen, Filme wie „Der kleine Lord“ zum Weinen
- Worauf bist Du außerhalb Deiner Bücher besonders stolz?
> auf meine beiden Söhne
- Welchen Rat würdest Du Deinem jüngeren Ich geben?
> gelassen bleiben! Nach jedem Tief kommt wieder ein Hoch.
- Wenn Dein Leben ein Buchtitel wäre, wie würde er heißen?
> „Die sieben Leben der Nicole Eick“
(gefällt mir 😊)
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Block 5: Leser & Rezensionen
- Was möchtest Du Deinen Lesern gerne einmal sagen?
> Ich bin sehr glücklich, dass es Euch gibt!
(Das sind sehr liebe Worte, danke dafür)
- Wie gehst Du mit negativen Rezensionen um?
> erst ärgern sie mich, dann überdenke ich sie, und sehr bald vergesse ich sie
- Welche Interviewfrage kannst Du nicht mehr hören?
> Was verdienen Sie so beim Schreiben? (Die Frage ist natürlich völlig nachvollziehbar, dahintersteckt aber leider immer, dass Leser oft keine Ahnung haben, wie wenig bei den Autoren hängenbleibt und wie wenige überhaupt vom Schreiben leben können).
(ja, das ist sehr traurig, leider bleibt die Arbeit, die wirklich in einem Buch steckt, mehr auf der Strecke. Deswegen, kauft nicht beim großen A, sondern wenn es möglich ist, beim Autor oder Verlag direkt!)
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Block 6: Spaß & kreative Fragen
- Würdest Du in Deinen Krimis lieber der Gute oder der Schurke sein?
> der Schurke natürlich
- Was magst Du in Büchern überhaupt nicht?
> Betroffenheitsgelaber und Belehrungen
- Welches Buch kannst Du uneingeschränkt empfehlen – und warum?
> „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Es ist atmosphärisch so dicht erzählt, dass es mich jedes Mal umhaut.
(das stimmt, mich hat der Film sehr mitgenommen und ich kann ihn leider bisher kein zweites Mal schauen.)
- Wie viel Prozent Genie und wie viel Prozent Chaos stecken hinter Deinen Büchern?
> weniger Genie als vielleicht Sprachtalent, und davon 50 %, der Rest ist Fleiß
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Abschluss
Vielen Dank für Deine Antworten!
Sie helfen dabei, Deine Arbeit, Deine Perspektiven und die Person hinter den Büchern den Lesern näherzubringen.
Und hier stelleich Euch die Bücher vor von Nickole Eick.

edition tingeltangel München 2021
ISBN 9783944936598
18,00 €
Wenn der Engel kommt
edition tingeltangel München 2024
ISBN 9783944936734
20,00 €

