Interviews

Interviews nicht nur mit Autoren, nein auch andere Interviews findet man hier.

Dienstag, 25. August 2026

Selfpublishing – aus der Sicht eines Autors

 Manchmal lernt man Menschen auf einer Buchmesse kennen und erinnert sich später gar nicht mehr genau daran, wann die erste Begegnung eigentlich war. So ging es mir auch mit Uwe Pauly. Kennengelernt habe ich ihn auf der Leipziger Buchmesse – und seitdem sind wir uns immer mal wieder rund um das Thema Bücher begegnet.
Uwe Pauly ist nicht nur Autor, sondern hat mit Paulybooks seine eigene Plattform rund um seine Bücher und das Selfpublishing aufgebaut. Seine Liebe zur Natur und zu Tieren zieht sich dabei wie ein roter Faden durch seine Arbeit. Angefangen hat alles mit der Frage, was eigentlich hinter unseren vielen tierischen Redewendungen steckt. Daraus entstanden unter anderem Der Wolf im Schafspelz und Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Mit Karma Stories hat er 2025 eine ganz andere Seite seines Schreibens gezeigt.
Grund genug, einmal genauer hinter die Kulissen zu schauen: Wie entsteht eigentlich ein eigenes Buch? Was bedeutet Selfpublishing wirklich? Welche Rolle spielen Vermarktung und Buchmessen? Und wie könnte die Zukunft des Buches aussehen?
Darüber habe ich mit Uwe Pauly gesprochen.
 
Block 1: Paulybooks – die Idee dahinter
 
 ·       Magst du Paulybooks einmal in kurzen Worten vorstellen? Wie ist die Idee dazu entstanden?
 Paulybooks ist eine Wortmarke, kein Verlag. Ich wollte damit einen einheitlichen und wiedererkennbaren Namen für meinen Online-und Messeauftritt schaffen.
 
 ·       Seit wann gibt es Paulybooks und was war der Auslöser für die Gründung?
 
Die Wortmarke „paulybooks“ gibt es seit 2023. Da nach dem ersten Buch ein zweites und drittes folgte und ich gerade an einem neuen Projekt arbeite, ist der Plural als Klammer für meine Bücher nur folgerichtig gewesen.
 
 ·       Wie kommt ein Autor zu seinem eigenen Paulybooks? 
Dies entspricht den gerade erklärten Motiven.
 
 ·       Was unterscheidet Paulybooks aus deiner Sicht von anderen Möglichkeiten des Selfpublishings?
 Man kann als Autorin oder als Autor selbstverständlich mit einem Psyeudonym arbeiten. Bei verschiedenen Genres auch unterschiedliche Namen verwenden. Für mich ist „paulybooks“ als Submarke anstelle des Autorennamens interessanter. Der Grund: mit meinem neuen Projekt möchte ich versuchen auf dem englischsprachigem Raum Fuß zu fassen. Da klingt der Name „Uwe“ recht schwierig und ist kaum auszusprechen. Bei „Pauly“ sieht es schon anders aus und paulybooks würde klar den Bezug zu mir und den Büchern herstellen. 
 
Block 2: Vermarktung & Buchmessen
 
 ·       Wie wichtig ist Werbung für ein selbst veröffentlichtes Buch? Welche Möglichkeiten gibt es, auf ein Buch aufmerksam zu machen?
 Leider ist Werbung in der heutigen Zeit unerlässlich. Für ein gutes Marketing und eine erfolgversprechende Werbung  sind hohe finanzielle Mittel notwendig. Verlage können dies leisten, Selfpublisher leider nicht. Für diese sind Internetauftritte, Social Media Beiträge und Buchmessen ein wichtiger Schritt, um auf sich und die Bücher aufmerksam zu machen. Die Selfpublisher-Community hilft ebenfalls dabei. Entweder im Selfpublisher-Verband oder die Kommunikation und Vernetzung der Autorinnen und Autoren untereinander.
 
 ·       Welche Rolle spielen Social Media und andere digitale Plattformen bei der Vermarktung?
 Offensichtlich unerlässlich. Facebook, Instagram und TikTok sind die wesentlichen Plattformen, die man bedienen sollte.
 
 ·   Buchmessen sind für viele Autoren ein wichtiger Treffpunkt. Wie steht Paulybooks zu Buchmessen und welche Bedeutung haben sie für euch?
 Buchmessen sind Teil des Buchmarketing. Man sollte aber bedenken, dass Marketing immer mit Ausgeben verbunden ist, um Bekanntheit zu erreichen. Der RoI – Return of Investment - stellt sich erst später ein. Die Leipziger und die Frankfurter Buchmessen sind ein wichtiger Treffpunkt, um als Autorin und Autor im Kontakt mit seinen Lesenden zu treten und die Werke zu präsentieren. Jedoch ist die Teilnahme dort sehr teuer. Man muss dabei den Kosten-Nutzen-Aspekt im Blick haben. Ich habe in Leipzig als alleiniger Autor einen Stand betrieben, kenne aber auch Selfpublisher, die sich Stände geteilt haben. Dann kann man die Ausgaben im Vergleich zu den Einnahmen etwas geringer halten, sollte der Verkauf nicht optimal laufen, da man auf diesen Messen nie voraussagen kann, ob sich der Stand an einem optimalen Platz befindet.
Kleine, regionale Buchmessen sind im Vergleich dazu wesentlich kostengünstiger und für die Besucher auch übersichtlicher. Oft treffen dort auch Autorinnen und Autoren mit ihrer Zielgruppe und mit ihren Leserinnen und Lesern zusammen. 
(da kann ich nur zustimmen. Es ist für kleine Verlage und Autoren bzw. Selfpuplisher verdammt teuer geworden. In Frankfurt mehr als in Leipzig. Ich kenne viele und komme viel ins Gespräch. Es ist so, dass oft nur die Standgebühren eingenommen werden, aber wenig verdienst. Das finde ich absolut nicht gerecht! Außerdem sind kleine Buchmessen viel schöner aus der Sicht von mir. Da kommt man beser mit den Standleuten ins Gespräch :-D) 
 
Block 3: Rund ums Buch
 
 ·       Wie setzt sich der Preis eines Buches zusammen? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? 
Ich orientiere mich bei der Preisgestaltung an ähnlichen Büchern im Handel. Zum einen die Seitenanzahl und das Genre, in dem sich das Buch bewegt. Bei meiner Veröffentlichungs-Plattform BoD (Books on Demand) werden ebenfalls Verkaufspreise vorgeschlagen, bei denen man seine persönliche Marge einrechnen kann. Natürlich spielen noch Extrakosten eine Rolle. Bei meinem ersten Buch habe ich 18 Zeichnungen für jedes Kapitel anfertigen lassen. Bei vielen und teils moderneren Ausgaben gibt noch weitere Faktoren: Anzahl der Farbseiten, Farbschnitt, das Cover – Hardcover mit Prägung und so weiter.
 
 ·       Wie siehst du das Verhältnis von E-Books und gedruckten Büchern? Sind E-Books für dich eine gute Ergänzung oder glaubst du, dass gedruckte Bücher irgendwann verschwinden könnten? 
Das eine schließt das andere nicht aus. Ich habe für meine Bücher immer eine E-Book Konvertierung dazugebucht. Man muss bedenken, dass es unterschiedliche Gründe für Leserinnen und Leser gibt, sich für ein E-Book zu entscheiden. Das einfache Format ohne die üblich Online-Bestellung mit Verpackung und Lieferung (ökologischer Aspekt) oder die Urlaubslektüre, die das Gewicht der Koffer nicht unnötig belasten soll. Die E-Books sind also eine gute Ergänzung zu den gedruckten Versionen. Für mich und bestimmt für die meisten Leserinnen und Leser sind „richtige“ Bücher allerdings unverzichtbar. Betrachtet man die aufwendig gestalteten Bücher im Bereich Romance und Fantasy, kann ein E-Book das Originalbuch mit seiner Optik und Haptik nicht ersetzen.
(ja, für mich eindeutig auch :-D) 
 
 ·       Was zeichnet in deinen Augen ein gutes Buch aus?
 Sehr einfach: es muss gefallen, fesseln oder zum Nachdenken anregen. Es muss in Erinnerung bleiben.  Vielleicht erschließt sich nicht alles nach 20 Seiten, aber wenn man danach das Gefühl hat, dass man die Story nicht versteht oder man merkt, dass man das Buch weglegt und kaum weiterliest, dann lese ich persönlich auch nicht weiter.  Das ist nicht schlimm, denn Geschmäcker der Lesenden sind verschieden und das bedeutet nicht, dass es ein schlechtes Buch ist.
 
Block 4: Erfahrungen & Zukunft
 
 ·       Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen beim Selfpublishing?
 Resilienz. Man muss seine Leidenschaft leben, nicht aufgeben und das weiter tun, was einem Spaß und Erfüllung bringt. Als Selfpublisher sollte man sich immer bewusst sein, dass man für sein Hobby lebt. Wenn es finanziell einträglich ist, umso besser. Doch man sollte Realist sein und wissen, dass es die üblichen hohen Summen eines zu erwartenden Buchverkaufes seitens eines Verlages nicht geben wird.
 
 ·       Was sollte ein Autor unbedingt wissen, bevor er sich für Selfpublishing entscheidet?
 Es gibt verschiedene Plattformen, die man zum Selfpublishing nutzen kann – BoD (Books on Demand), Tredition, Epubli, Amazon KDP und weitere.  Es gibt dabei die Möglichkeiten das Cover gestalkten zu lassen sowie Lektorat und Korrektorat dazu zu buchen. Dies ist immer eine Frage der Kosten.
 Vorteile:
-        das Buch bleibt dein Eigentum, du gibst es nicht an einen Verlag ab
-        Eigengestaltung und Eigenverantwortung
-        es wird nur gedruckt, was bestellt wird (ökologischer Aspekt und man landet nicht in der Schmökerkiste für 5.-€)
Nachteile:
-        keine Durchdringung im stationären Buchhandel
-        Marketing und Verkauf obliegt einem selbst
Selfpublishing ist also ideal, wenn Verlage das eigene Manuskript ablehnen. Es ist kostengünstig und persönlicher, wenn man das erste Buch auf den Markt bringen möchte. Jedoch ist es mit viel Aufwand verbunden, wenn man sein Buch im Web, auf Social Media oder auf Buchmessen vermarkten möchte.
 
 ·       Wie sieht die Zukunft des Selfpublishings aus – und wie könnte sie deiner Meinung nach aussehen?
 Selfpublishing wird es weiter geben und eventuell wir dieser Bereich noch stärker wachsen. Zum einen, da das Interesse an Büchern vor allem bei der jungen, femininen Klientel im Bereich Romance, Fantasy oder Romantasy weiter wächst und jeder sich mit seinem eigenen Buch verwirklichen kann. Die großen Buchmessen werden weiter existieren, jedoch werden aufgrund der finanziellen Möglichkeiten und des Druckes auf dem Buchmarkt die Verlage weiterhin Unmengen an Geld in ihre großen Verkaufsstände in den Messehallen investieren, was dazu führt, dass kleine und unabhängige Verlage oder Autoren kaum wahrgenommen werden.
Es fällt jedoch auf, dass es mittlerweile viele kleine und regionale Buchmessen für Selfpublisher gibt und diese nicht nur von Autorinnen oder Autoren initiiert werden, sondern dass Gemeinden sich stärker in diese kulturelle Bereicherung ihres Angebotes einbringen und diese Messen organisieren. Das macht mir Mut für das Selfpublishing.
 
 ·       Gibt es Entwicklungen im Buchmarkt, die du besonders spannend oder vielleicht auch kritisch siehst?
 Spannend ist der Buchmarkt allemal, In jeder Hinsicht. Besonders die Covergestaltungen werden ansprechender und origineller. Kritisch jedoch, dass die Verlage nur auf „Altbekanntes“ setzen und den Mut für neue Bücher und Autorinnen und Autoren gerade aus dem Selfpublisher Bereich meist scheuen. Man kann es an den Bücherregalen daran erkennen, dass man neben dem Aufkleber „Spiegel Bestseller“ mittlerweile auch „Spiegel Bestseller Autorin oder Autor“ in einer inflationären Form entdeckt. Kritisch ist ebenfalls das Einfallstor der KI-Nutzung und dass selbst auf Instagram Personen dafür werben, man könne sein Buch mit KI schreiben lassen. Ich schätze aber, dass die wirklich Buchinteressierten dies ablehnen werden, da kein geistiges Engagement bei diesen Veröffentlichungen vorausgesetzt werden kann.
 
Block 5: Zum Abschluss
 
 ·       Welche Buchempfehlung hast du für unsere Leser?
 Nicht verschließen. Alle Angebote einmal ausprobieren. Vielleicht ist mal ein neues Genre dabei oder ein Buch, was einen wider Erwarten besser gefällt, als sein Titel vermuten ließ.
 
 ·       Und zum Abschluss: Was möchtest du Autoren sagen, die gerade mit dem Gedanken spielen, ihr erstes Buch selbst zu veröffentlichen?
 Einfach machen. Ein Exposè bei Verlagen einreichen.
Kleiner Tipp dabei für den Pitch:
-        Worum geht es in dem Buch?
-        Für wen ist das Buch?
-        Warum gerade jetzt?
-        Warum bleibt die Idee im Kopf?
Sollten Absagen von den Verlagen kommen, nicht verzweifeln. Es bleibt immer noch das Selfpublishing. Und der direkte Austausch mit Besuchern auf einer Buchmesse ist unbezahlbar.
 
 ·       Und zu guter Letzt, gibt es ein besonderes Erlebnis im Paulybooks /vom Paulybooks?
 Dazu kann ich leider nicht viel beitragen. Doch vielleicht eine Sache. Ich vertreibe meine Bücher auch in den Supermärkten meiner Region und hatte an dem einen oder anderen Advents-und Weihnachtsmarkt in den letzten Jahren einen Stand gebucht. Auf einem Markt kam eine Kundin an meinen Stand und hat mein zweites Buch gekauft, da sie mein erstes bereits in einem Supermarkt in ihrem Ort erworben hatte. Das hat mich sehr gefreut, denn ihr muss mein erstes Buch wohl gut gefallen haben. 
 
Vielen Dank, Uwe, dass Du uns einen Einblick in Deine Arbeit mit Paulybooks und Deine Erfahrung mit dem Selfpuplishing gegeben hast. Es war spannend zu erfahren, was hinter der Veröffentlchungen eigener Bücher steckt und wie Du die Zukunft des Seflpuplishings einschätzt.
ICh wünsche Dir fr Paulybooks und Deine weiteren Projekte ganz viel Erfolg - und natürlch viele tolle Bücher, zufriedene LEser und weiterhin jede Menge Freude an dem, was Du machst!
 
Mein eigenes Apell daher: Kauft direkt vom Autor, von der Autorin und unterstützt auf jeden Fall Selfpuplishing!!!! 
 Unbezahlte Werbung!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen